Wenn das Opfer zum Täter wird oder aber: Die Fähnchen im Wind


01 Oct
01Oct

Wer kennt es nicht: Was wäre die Arbeit ohne die geliebten Kollegen? Die einen den Tag versüßen, mit denen man auch mal Spaß haben kann, aber auch der Austausch und Teamwork kommt nicht zu kurz. Wobei man bei dem Wort "Teamwork" doch etwas vorsichtig sein sollte, getreu dem Motto "Toll Ein Anderer Machts." Man hat schlussendlich womöglich gemeinsame Feinde und oftmals werden ja aus den Kollegen auch Freunde.

Aber graben wir mal ein bißchen tiefer. Wie steht es denn um die Loyalität der Kollegen eigentlich tatsächlich? Ist es nicht so, dass jeder versucht seinen eigenen Job zu retten und wenn nötig, dabei sogar über Leichen geht? Oder stellen sich die Kollegen tatsächlich schützend vor Sie und fahren sich dabei die Unbeliebtheit beim Chef ein?

Meiner Erfahrung nach reden wir leider oftmals vom sog. "Fähnchen im Wind". Je nachdem bei wem man sich gerade beliebt machen will oder in den Vordergrund rücken möchte, der wird dann auf einmal zum tollsten Kollegen, besten Chef oder zuverlässigsten Freund. Und die Woche drauf? Tja, da ist dann wieder jemand ganz anders der Star im Büro. Durch dieses menschliche Gebaren bleibt es nicht aus, dass wir schlicht und einfach doch vom einfachen Zustand des Neides reden. 

Leider verhält es sich so aber nicht nur unter den Kollegen, sonder auch in höheren Ebenen, den Vorgesetzten, dem Management usw. 

Ganz schnell wird hier nämlich mal das Opfer zum Täter. Da werden dann auf einmal Sachen erfunden, zu denen man angeblich fähig sei, wo man vom Glauben abfällt.Und überhaupt, man habe ja äußerst schlecht gearbeitet. Fraglich dann nur, wieso man die jeweilige Person über so lange Zeit im Unternehmen überhaupt angestellt ließ. Und angeblich hätte man ja mehrere Gespräche bereits geführt, aber es habe sich doch leider nichts verbessert...

Sie glauben das nicht? Ja, ich weiß, leider ist es äußerst traurig, aber gerade auf Grund dem aktuell abwärts gehenden Trend, rollt aktuell die erste Kündigungswelle durch die Unternehmen. Unter äußerst fadenscheinheiligen Argumenten werden Top-Mitarbeiter entlassen...der aktuelle Nummer 1 Grund: Betriebsbedingt. Erschreckend jedoch, dass man bei manchen Unternehmen dann ein paar Tage drauf sieht, dass neue Arbeitnehmer eingestellt werden. Es folgt dann meistens ein langer Prozess mit Klage und Anwälten und wirklich was rauskommen tut letztendlich doch nichts. Man ist womöglich eine Stange Geld und jede Menge Nerven los. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Viel erschreckender finde ich persönlich, wie sich die sog. tollen Kollegen und Chefs dem gefeuerten Mitarbeiter gegenüber verhalten. Da wird kein Machtspielchen ausgelassen! Von schlechter Arbeit bis hin über Unruhestifter als auch Rebell und unkollegiales Verhalten, ja sogar Gehalt wird dann auf einmal gekürzt. Da werden willkürlich Gerüchte gestreut, dass einem die Haare zu Berge stehen. 

Ich frage mich: Möchte man für so ein Unternehmen überhaupt arbeiten?

Meine klare Antwort ist NEIN. Jedes Unternehmen predigt von auf Augenhöhe arbeiten, Work-Life-Balance, flache Hierarchien etc. Die Liste der sog. Benefits ist ewig. Ich finde ein toller Benefit wäre einfach ein faires Verhalten, ein menschliches Verhalten, mit Respekt und auch einfach mal die andere Seite betrachten. Das scheint jedoch mittlerweile leider nahezu unmöglich. Wobei ich denke, man will es einfach nicht, denn prinzipiell schwer ist es nicht. Und es vereinfacht so vieles!

Genau diese sog. Rebellen braucht es! Die, die sich Gedanken über das Gegenüber machen bevor man urteilt. Die, die sich auch trauen, zu ihrer Meinung zu stehen und diese auch zu vertreten. Die, die eben nicht das Fähnchen im Wind sind. Das nennt sich meines Erachtens nach Loyalität und vor allem Authentizität.

Ich finde ja den Begriff "Rebel" dafür sehr negativ gewählt. Denn meiner Meinung nach, sind das doch die Ideale, die in jedem Unternehmen vorhanden sein sollten. Das sind die eigentlichen Führungspersönlichkeiten. Denn diese verstehen vom Faktor Mensch etwas. Und haben womöglich  nicht nur die Zahlen im Kopf - zumindest bleibt das Menschliche nicht auf der Strecke.

Ohne diese "Anführer" ist jedes Unternehmen lediglich ein Haufen egozentrischer, machtausübender, profitgetriebener, habgieriger Roboter. Getreu dem Motto: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Es wäre wirklich wünschenswert, wenn sich hier bald wieder eine Geschäftswelt wie vor 20 Jahren einstellen würde, in der noch per Handschlag Geschäfte gemacht wurden und dies auch gezählt hat. Lassen wir mal ab von dem "höher, weiter, schneller, mehr" Gehabe und womöglich können wir hier noch sehr viel aus den skandinavischen Ländern lernen, wo Business in der Sauna gemacht wird und einfach alles entspannter und vertrauter zugeht. Hut ab in den Norden!


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