Wandel der Unternehmenskulturen oder aber: Wer "nein" sagt, fliegt!


12 Jul
12Jul

Wie oft hören oder lesen wir bei Unternehmen solche Sätze wie "wir begegnen uns auf Augenhöhe", "bei uns gibt es flache Hierarchien" oder aber "Work-Life-Balance ist bei uns zu 100% gegeben"? Und wie oft findet man heraus, dass das alles nur leere Blasen sind? Viel Blabla, nichts dahinter? Fängt die Lügerei nicht eigentlich schon beim Vorstellungsgespräch oder gar noch einen Schritt davor, nämlich beim Bewerben, bereits an?

Unternehmen, die Profitgetrieben sind, suchen meist doch die eierlegende Wollmilchsau. Es soll ein Arbeitnehmer zwischen 25-30 Jahren sein, der am Besten promoviert hat, mind. 5 Jahre Berufserfahrung sammeln konnte und  das Ganze zu einem Jahresgehalt von 50.000€. Allein in diesem einen Satz, befinden sich so viele Illusionen, wie sie abstruser gar nicht sein könnten. Was verspricht die Firma? Natürlich ein leistungsgerechtes Gehalt, flexible Arbeitszeiten, ein topmotiviertes Team, Sonderzulagen, Weiterbildungen, Firmenevents und und und. 

Nun bewirbt sich natürlich jemand auf solch eine Stelle und verkauft sich als genau DER Mitarbeiter. Gut, möglicherweise hat er nicht promoviert, aber er kann natürlich viel Erfahrung vorweisen und agil ist er auch noch. Auch eines dieser Modeworte...agil...früher nannte man es flexibel. Aber da ja heutzutage auch jeder einen "Manager" Titel in seiner Berufsbezeichnung trägt, will ich mich nicht weiter mit etwaigen anderen Trendwörtern beschäftigen.

Mitarbeiter und Firma haben sich nun gefunden und nun fängt sich das Rad an zu drehen. Anfangs natürlich durch die rosarote Brille gesehen, was für eine Topfirma, in die man da reingekommen ist. So tolle Kollegen, super Führungskräfte, tausende von Benefits etc. Die Firma gibt dem Arbeitnehmer natürlich erstmal die Bewährungsprobe, auch Probezeit genannt. Ist der Arbeitnehmer ein Top-Performer, scheint alles gut zu sein. Aber das muss sich ja erst einmal in 3 - 6 Monaten entsprechend bewahrheiten. Wenn nicht, muss man natürlich erst prüfen, in welche Richtung der Arbeitnehmer sich entwickeln könne oder aber: Wir bauen mal Druck auf!!

Dem Arbeitnehmer fällt relativ schnell auf, dass die Firma nun doch nicht so zu sein scheint, wie sie sich dargestellt hat. Das leistungsgerechte Gehalt basiert auf einem Durchschnittsgehalt, denn die versprochene Prämie gibt es nur unter Erfüllung total unrealistischer Ziele (die einem natürlich im Erstgespräch noch nicht als unrealistisch erscheinen), Weiterbildungen gibt es erst ab Betriebszugehörigkeit von mindesten 2 Jahren, das topmotivierte Team scheitert an der Definition von Motivation, die Firmenevents finden bevorzugt an Wochenenden statt, damit man ja nicht seinen Job vernachlässigt und die flexiblen Arbeitszeiten gestalten sich so flexibel, dass man eine Kernarbeitszeit von 9-17 Uhr hat, die am Besten noch im Office zu verbringen ist. Soviel dann zum Thema Work-Life-Balance.

Nein, das sind keine Übertreibungen. Leider ist das heutzutage die Realität. Und wir alle laufen schön in dem Hamsterrad mit. Wie kleine Roboterfiguren stehen wir morgens auf, machen uns auf den Weg ins Büro, leisten unsere 8-10 Stunden Arbeit, gehen nach Hause, legen uns hin. Und das 5 Tage die Woche. Anhand der Gesichter, die ich jeden Morgen in den öffentlichen Verkehrsmitteln und auch in den Firmen sehe, merkt man, dass es sich hierbei um eine absolute Pflichtübung handelt. Der Tonfall in den Unternehmen ist alles andere als auf Augenhöhe, jeder macht sein eigenes Ding und hofft vom Kuchen ein möglichst großes Stück ergattern zu können. Dabei geht manch einer auch gerne über Leichen - in dem Fall die Kollegen.

Führungskräfte besuchen Seminare, in welchen sie lernen sollen, ihr Team zu führen. Was dabei rauskommt, sind oftmals Versuche, es besser zu machen, da es aber nicht schnell genug geht und wir noch die unberechenbare Variable Mensch im Spiel haben, machen diese lieber wieder den zuvor gewählten Weg. Nämlich Profit statt Mensch. Getreu dem Motto: Wir haben das jetzt immer so gemacht und es hat funktioniert. Soviel wiederum zum Thema Marktanpassung.

Und auch das Miteinander in den Firmen ist bei weitem nicht mehr das was es einmal war. Predigte man früher nicht, dass Teamarbeit eine Firma voran bringe? Davon finde ich heutzutage relativ wenig. Eher sehe ich Fingerpointing, Verantwortung abwälzen, Schleimerei wo es gerade nötig ist, unfaires Verhalten etc. 

Woran liegt das eigentlich? Prinzipiell heißt es ja immer "der Fisch stinkt vom Kopf". Ist das wirklich so? Was wäre zum Beispiel, wenn man die ganze Unternehmenskultur von unten herauf ändert? Teams, die ihren Führungskräften spiegeln, wie man als solche zu agieren hat? Vielleicht sogar mal ein Job-Swap. Warum nicht mal den Sachbearbeiter für einige Tage auf den Chefsessel setzen? So schafft man den sogenannten Perspektivenwechsel. Denn nur, wenn man sich in allen Rollen einmal selber gefunden hat, kann man sein Gegenüber auch besser verstehen. Dies träge sicherlich zu einer Kommunikation auf Augenhöhe bei. Einen Versuch wäre es allemal wert!

Nun gibt es aber, Gott sei Dank, neben den Robotern auch noch solche, die sich nicht in diese Maschinerie einfügen lassen. Das sind Jene, die gerne auch am Montag mit einem Lächeln rumlaufen, immer hilfsbereit ggü. den Kollegen agieren, die ihrem Beruf das Bestmöglichste abgewinnen und ganz wichtig: Diejenigen, die auch einmal NEIN sagen können. Das sind diejenigen, die ihren Führungskräften den Spiegel vorhalten und sagen "lieber Chef, lass es uns doch mal anders machen". Leider sind das aber auch diejenigen, die in der heutigen Unternehmenskultur den Kürzeren ziehen und eher das Unternehmen verlassen müssen, als ihnen lieb ist. 

Warum? Ganz einfach, niemand hört gerne, wie es wirklich im Unternehmen läuft. Das sind negative Worte, obwohl ich es lieber als Feedback, aus dem man lernen kann, betitele. Dennoch: Solche Mitarbeiter sind unbequem, bringen zu viel Unruhe rein, laufen nicht so, wie das Rädchen laufen soll. Obwohl diese es nur gut meinen und gerne helfen möchten - und das obwohl es nicht mal deren Aufgabe ist. Die Quintessenz: Die muss man loswerden. Auf welche Art und Weise das mittlerweile geschieht, spiegelt meist die Unternehmenskultur dann sehr deutlich.

Ich bin mir sicher, dass sich dies irgendwann ändern wird, denn der Weg, der seit sehr langer Zeit leider schon Einzug in die Kultur einer Firma hält, kann und wird auf Dauer nicht funktionieren. Es sei denn, der Faktor Mensch wird tatsächlich nicht mehr benötigt, dann kann man getrost auf die Roboter umschulen. Haben wir dann aber doch das Problem einer sehr hohen Arbeitslosenquote.

Kurzum noch ein Satz zum Nachdenken: Ein "Ja" ist nichts wert, wenn man nicht "nein" sagen kann!

Um dies zu verinnerlichen, steht Sisu Coaching natürlich gerne zur Verfügung und verhilft auch Ihnen, aus dem Hamsterrad rauszukommen!


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